• Tag 2: Kompong Cham nach Kratie

    Posted on April 5th, 2010 Jan No comments

    Distanz: ca. 110 km
    Fahrtzeit: ca. 7 Stunden

    Ich bin nach einem langen Trip heute endlich wieder frisch geduscht und sehr hungrig. Details incl. einer Anleitung zum guenstigen Intensivbraeunen gibt es morgen.

    Nach einer Nacht im Gästehaus in Kampong Cham ging es etwas später als geplant weiter nach Kratie. Etwas später deshalb, weil ich am Abend vorher leider vergessen hatte, mit die Wegbeschreibung nach Kratie auszudrucken, ohne die ich ungern losfahren wollte. Nach dem kurzen Besuch im Internetcafé ging es dann zu einem schnellen Nudelfruehstueck am Markt, wo ich einen Belgier traf, der auch gerade eine Radtour durch Suedostasien macht, aber genau in der umgekehrten Richtung.

    It's gettin' ruralDie Strecke schlaengelte sich am Mekong entlang und ging durch eine Strassensiedlung nach der anderen mit hoch aufgetuermten Heuhaufen und Haeusern auf Stelzen. Nach etwa 1 1/2 kam ich bei Wat Phnum, einer Pagode auf einem Berg mit Blick ueber den Mekong an. Die Fahrt den Berg hoch war etwas anstrengend, aber als ich erstmal oben war, machte die Aussicht alles wett.  Ein netter Touristenpolizist hiess mich sehr herzlich auf dem Berg willkommen und erklaerte mir mit einem Laecheln, dass ich jetzt $2 bezahlen muesse. Insgesamt waren mindestens 4 Polizisten auf dem Berg, was wohl gerade so reichen duerfte fuer den Touristenstrom von (laut Schaetzung des Polizisten) 6-7 Touristen pro Tag abzufertigen. Weil gerade ein Chinesisches Feiertag war – was eine gute Sache fuer alle chinesisch-staemmigen Kambodschaner, aber eine schlechte Nachricht fuer viele (Span-) Ferkel in Kambodscha ist – waren viele Kambodschaner auf dem Berg, und eine Familie lud mich ein, mit ihnen zusammen zu essen. Meinen urspruenglichen Vorsatz, kein Bier vor 10 zu trinken, habe ich dabei zugunsten der interkulturellen Verstaendigung voruebergehen ausgesetzt.

    Frisch gestaerkt ging es dann das letzte Stueck am westlichen Ufer des Mekong bis nach Stung Trang (nicht Stung Treng, wo ich morgen hinfahre) und dann mit der Faehre auf die andere Seite.

    Den Rest der Strecke ging es vorbei an einigen Cham-Doerfern (die muslimische Minderheit in Kambodscha). Ausser der Moschee im Dorf und den Kopftuechern bzw. Gebetshueten unterschieden die sich aber kaum von einem durschnittlichen kambodschanischen Dorf, und die Glaubensunterschiede scheinen die Beziehungen zwischen den muslimischen und buddhistischen Dorfbewohner nicht zu belasten. Ein Kopftuch zu tragen hat hier den Vorteil, dass man darunter seine natuerliche Blaesse besser bewahren kann, was hier auf jeden Fall ein Pluspunkt fuer eine Religion ist. Nach einem langen Stueck auf einer schoen geteerten Strasse kam ich in einer kleinen Provinzhauptstadt names Chhlong an.

    Weil es noch recht frueh war, entschied ich mich, auch noch die letzten 35 km bis Kratie in Angriff zu nehmen. Ich ging davon aus, dass die Strasse weiter so gut bleibt, wie sie es die letzten Kilometer war, und dass ich die restliche Strecke locker in den restlichen 2 1/2 Stunden bis zum Sonnenuntergang schaffen koennte. Leider stellte sich das bald als eine Fehleinschaetzung heraus. Kurz nach Chhlong wurde aus der gut geteerten Strasse eine Schotterpiste mit Laengsrillen die so tief waren, dass man mit dem Fahrrad nurnoch am Strassenrand fahren konnte. Der Strassenzustand hielt die Autofahrer aber nicht davon ab, in beachtlichem Tempo ueber die Strecke zu heizen, wobei sie eine Staubwolke hinter sich her zogen. Nach einiger Zeit kam ich dann zu einem Teil der Strecke, wo die Schotterpiste wohl fuer Bauarbeiten gesperrt war und der Verkehr auf eine noch schlechtere Strasse umgeleitet wurde. Auf diesem Stueck hatte die Strasse Schlagloecher, in denen man locker einen Kleinwagen verstecken koennte. Vor mir blieb ploetzlich ein Pickup an, weil seine Vorderachse gebrochen war. Dieses Stueck war aber zum Glueck nicht allzu lang, und von da ging es zurueck auf die Schotterpiste, die ploetzlich viel besser wirkte als vorher. Bald darauf wurde die Schotterpiste dann zu einer Teerstrasse, und die letzten Kilometer nach Kratie fuhren sich praktisch von selbst.

    Kratie marketDie Stadt Kratie gefiel mir auf Anhieb sehr gut, weil hier noch viele der alten Kolonialgebaeude erhalten sind und die Franzosen hier – wie es sich fuer eine Provinzhauptstadt gehoert – all’ die wichtigen Einrichtungen wie ein Elektrizitaetswerk und Wasserwerk gebaut haben, aber eben dimensioniert fuer eine Kleinstadt. Das Wasserwerk z.B. scheint hauptsaechlich aus einem Schild am Eingang und einem Wasserturm zu bestehen.

    Im Gaestehaus direkt am Mekongufer habe ich dann als erstes geduscht…was nach der staubigen Strecke auch dringen noetig war:

    Before......and after


    Mein Versuch, danach noch das Nachtleben in Kratie zu erkunden, blieben mangels Nachtleben leider erfolglos, aber fuer ein Foto von Kratie bei Nacht hat es doch noch gereicht:

    Kratie at night

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